• Die Thingstätte

    nach einer Sage aus Goisern

Es gibt viele mystische Plätze im Dachstein Salzkammergut. Manchmal fragt man sich, welche Geschichten sich hier oder dort wohl zugetragen haben? Eine der unzähligen Sagen aus der der Region haben wir in einem alten Magazin Namens „Goiserer“ entdeckt und möchten sie hier an Euch weitergeben.

Auf der Thingstätte

In grauer Vorzeit sei da in der versteckten Waldlichtung eine Thingstätte gewesen. Ein „Thing“ war eine Gerichtsversammlung, bei der Urteile gefällt und meist auch vollzogen wurden. Damals schon stand hier ein Thingtisch; und an die hohe alte Fichte lehnte sich ein großer, verwitterter Stein, der Richterstuhl, um den sich sieben Sitze für die Schöffen gruppierten.

In jedem Jahr gab es etliche geheime Zusammenkünfte, bei denen über Ehre und Leben angeklagter oder oft auch zu Unrecht verleumdeter Mitmenschen entschieden wurde. Und leitete ein bestochener oder gehässiger Richter die Sitzung, so kam es zu bewussten Fehlurteilen, und manch Unschuldiger wurde gerichtet, um Haus und Hof gebracht oder gleich gehängt.

Die Thingstätte - nach einer Sage aus Goisern

Weitere Sagen rund um das Salzkammergut gibt es im Buch von Sepp Aitenbichler nachzulesen. „Die fünfte Auflage des Sagenbuches baut auf Unterlagen auf, die literarisch ausgestaltet, aber nicht frei erfunden worden sind. Sie entsprechen der Volkskultur, die vor dem Vergessen gerettet werden soll“, so Sepp Aitenbichler in seinem Buch.

Am Rande der Lichtung ist ein merkwürdiger Hügel zu sehen, hier sei in alter Zeit der Galgen gestanden. Heute aber soll das ein Elfenhügel sein, in dem diese märchenhaften Waldwesen ihre Wohnung haben. Sicher ist, dass sich alljährlich in der Johannisnacht acht Raben an der Thingstätte bei der Chorinskyklause einfinden. Mit ernsten Mienen nehmen sie rund um den Thingtisch auf Hockern Platz; der größte von ihnen aber lässt sich auf dem Richterstuhl nieder.

Dann beginnen sie krächzend ihre Gerichtssitzung, bei der es immer lauter und lauter zugeht. Sie schlagen mit den Flügeln, hacken einander mit den scharfen Schnäbeln und raufen sich gegenseitig die Federn aus. Dieses wüste Treiben dauert bis Mitternacht bis zur ersten Morgenstunde. Da aber verstummt ihr hässliches Gekreische im Nu. Lautlos schwingen sie sich von den steinernen Hockern empor und entfliehen in die dunklen Wälder. Die einstig ungerechten Schöffen und Richter sind es, die hier an der Thingstätte als verwunschene Raben ihre falschen Urteile abbüßen!

Ja, die Thingstätte im Weißenbachtal, die könnte mancherlei erzählen. Sicherlich klingt dies alles verwunderlich, aber wer diesen Ort einmal besucht hat, kann auch von der eigenwilligen Kraft des Platzes die eine oder andere Geschichte erzählen. Weiter gehts zum Kaiser Jagdtisch im Weißenbachtal …

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